Es ist ein bekanntes Dilemma: Soll man ein neues KFZ mittels Kredit finanzieren oder ein Leasingangebot in Anspruch nehmen? Wie lautet die Antwort darauf? Leider gibt es keine eindeutige Antwort auf diese Frage, denn es handelt sich dabei mehr oder weniger um zwei grundlegend unterschiedliche Arten der Finanzierung. Schließlich spielen auch die persönlichen Präferenzen eine entscheidende Rolle. Will man unbedingt alle zwei drei Jahre das neueste Modell fahren und damit das Risiko von teuren Reparaturen senken oder steht die langfristige Kostenersparnis im Vordergrund? Ist es wichtig das KFZ wirklich zu besitzen und somit höhere monatliche Raten in Kauf zu nehmen?
Wenn ein neues Auto gekauft wird, dann wird der dafür aufgenommene KFZ-Kredit bis zum letzten Cent (selbstverständlich zuzüglich Zinsen) zurückgezahlt. Üblicherweise wird eine Anzahlung geleistet und danach mit der Abstotterung der Raten begonnen. Die Höhe der Zinsen hängt nicht zuletzt vom Verhandlungsgeschick von Käufer und Verkäufer ab. Bei der vollständigen Finanzierung gibt es wiederum unterschiedliche Varianten wie z.B. den klassischen Ratenkredit oder eine Ballonfinanzierung wo während der Laufzeit niedrigere Raten bezahlt werden, dafür aber die Schlussrate höher ist. Ganz gleich für welche Finanzierungsform man sich entscheidet – am Ende soll das Auto in den Besitz des Kreditnehmers übergehen.
Beim Leasing hingegen bezahlt man quasi für die Abnutzung des KFZ während der Dauer des Leasingvertrages. Das KFZ wird also nicht gekauft sondern mehr oder weniger gemietet. Man kann sich aussuchen ob man zu Beginn des Leasingvertrages eine Anzahlung (auch als Sonderzahlung bekannt) leistet. Je höher die Sonderzahlung ausfällt, desto niedriger sind die anschließenden Leasingraten. Ein weiterer entscheidender Einflussfaktor auf die Leasingraten ist der Restwert des Fahrzeuges am Ende der Laufzeit.
Ein Beispiel: Wird ein Fahrzeug mit einem Neupreis von € 30.000 geleast, und nimmt man einen Restwert von € 20.000 nach 2 Jahren Laufzeit an, so wird mit der Sonderzahlung und den Raten die Differenz von € 10.000 beglichen. Dazu kommen dann noch die Zinsen des Leasinggebers und etwaige Bearbeitungsgebühren. Wird das Fahrzeug hingegen gekauft, dann wird der volle Kaufpreis in Höhe von € 30.000 bezahlt und wiederum kommen Zinsen und Gebühren hinzu. Soll der gesamte Neuwert innerhalb von 24 Monaten abgezahlt werden, dann wird deutlich, dass die Monatsraten in diesem Beispiel beim Leasing deutlich geringer ausfallen.
Leasingraten setzen sich aus zwei unterschiedlichen Teilen zusammen. Der eine Teil ist die Zahlung des Wertverlustes des Autos. Hier wird der Leasinggeber für den Wertverlust des Wagens während der Laufzeit entschädigt. Der zweite Teil sind Zinsen und Gebühren. Während der Wagen vom Leasingnehmer genutzt wird ist Kapital des Leasinggebers sozusagen an das Fahrzeug gebunden. Anders ausgedrückt kann gesagt werden, dass der Leasingnehmer sich jenes Geld vom Leasinggeber ausborgt, welches dieser zum Kauf des Fahrzeuges an den Mutterkonzern gezahlt hat.
Die Kreditraten die bei einer vollständigen Finanzierung eines Fahrzeuges setzen sich ebenfalls aus zwei Teilen, nämlich der Hauptrate (zur Abzahlung des Fahrzeugwerts) und den Zinsen auf das ausgeliehene Kapital zusammen. Da alle Fahrzeuge – ganz gleich ob sie geleast oder gekauft werden – gleich viel an Wert verlieren, kann ein Teil der Hauptrate mit der beim Leasing genannten Entschädigung für den Wertverlust gleichgesetzt werden. Es ist Kapital welches nicht mehr zurückfließt, da man das Auto in der Zukunft immer unter dem Anschaffungspreis verkaufen muss. Je länger ein Fahrzeug genutzt wird desto geringer wird sein Wert. Irgendwann im Leben eines Fahrzeuges kommt der Punkt wo es nur noch Schrottwert besitzt. Man bekommt also niemals jenes Kapital zurück das man in das Fahrzeug investiert hat.
Ein Auto vollständig zu finanzieren bedeutet also, dass man quasi Kapital in ein negativ verzinstes Sparkonto einzahlt. Dies ist in jeder Hinsicht eine schlechte Investition obwohl natürlich auch angeführt werden muss, dass Autos in der Regel keine Geldanlage sind.
Beim Leasing fällt der Teil mit dem negativ verzinsten Sparkonto weg. Man bezahlt nur die Nutzungsgebührt zuzüglich Zinsen und etwaigen Gebühren. Natürlich ist es richtig, wenn gesagt wird, dass man am Ende des Leasingvertrages mit leeren Händen dasteht; also eine Mietgebühr entrichtet hat ohne einen Besitz am Fahrzeug erworben zu haben. Dennoch muss man auch bedenken, dass man beim Leasing auch nicht jenen Teil des Fahrzeuges besitzt, der durch den Wertverlust verloren gegangen ist. Bei der vollständigen Finanzierung eines KFZ „besitzt“ man diesen Teil jedoch auch und bekommt wie bereits oben erwähnt dafür keinerlei Gegenwert.
Das Geld welches durch niedrigere Leasingraten monatlich eingespart wird, macht den Leasingnehmer flexibler gegenüber jemand der ein Auto vollständig finanziert. Das eingesparte Geld könnte beispielsweise in Aktien oder Fonds investiert werden um das Kapital durch Verzinsung wachsen zu lassen. Bei der vollständigen Autofinanzierung fließt dieser Teil des Kapitals in das oben erwähnte „negativ verzinste Sparkonto“.