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Begriff der Abhängigkeit
Im folgenden Beitrag werden Inhalte einer Arbeit von Iwohn, Andrei zum Begriff der Abhängigkeit aus Sicht ausgewählter wirtschaftswissenschaftlicher Theorie-Ansätze dargestellt. Daneben finden auch nicht-ökonomische Erklärungsmuster Erwähnung. Man spricht von Abhängigkeit oder auch Fremdbestimmung, wenn Individuen oder Organisationen Einschränkungen der sozialen wie auch ökonomischen Handlungsfreiheit auferlegt werden. Abhängigkeit, von der in arbeitsteiligen Gesellschaften regelmäßig ausgegangen werden kann, eröffnet neben den Einschränkungen auch neue Handlungsfelder und Chancen. Problematisch sind Abhängigkeitsverhältnisse, wenn sie sich als einseitig, also asymmetrisch darstellen.
Bei Abhängigkeit liegt die Assoziation mit dem Begriff der Macht nahe und tatsächlich sind beide theoretischen Konstrukte eng miteinander verknüpft. Die Macht eines Partners rührt häufig aus der Abhängigkeit des anderen Partners her, die dieser dahingehend ausnutzen kann, dass er Entscheidungen und Verhalten des Abhängigen zu beeinflussen und Macht auszuüben sucht. Nicht-ökonomische Erklärungsansätze wie die Theorien des Social Exchange, Contract Law oder der Resource Dependence betonen Nutzen- und Machtüberlegungen sowie Vertrauen. Anhand der Verfügbarkeit alternativer Quellen von kritischen Ressourcen bzw. attraktiveren Beiträgen wird Abhängigkeit in sozialen Beziehungen determiniert.
Bei den ökonomischen Theorien der Abhängigkeit kommt die außerordentliche Bedeutung von Investitionen zum Tragen. Dies spiegelt sich sowohl im investitionstheoretischen als auch transaktionskostentheoretischen Ansatz wider. Investitionstheoretisch bilden Investitionen demnach eine „innere Verbindung“ zwischen verschiedenen, wiederholten Transaktionen her und kommen dem Nettonutzen der Beziehung zugute. Diese innere Verbindung verdeutlicht jedoch nicht nur das wirtschaftliche Interesse an einer Abfolge von Transaktionen, das bei Zufriedenheit den Anreiz zum Fortbestehen der sozialen Beziehung darstellt. Auch die ökonomische Bindung an diese Abfolge, das „Verbleiben-müssen“, ist zu betrachten. Der Nutzen dieser Investition entsteht erst im Zeitablauf in Form der Erlöse in dieser Verwendung. Somit verbindet dieser zukünftige Nutzen zwangsläufig Interesse und Bindung. Auch bei Unzufriedenheit wird die Bindung wegen hoher Wechselkosten aufrecht erhalten; es besteht Abhängigkeit (siehe Plinke, W.: Grundlagen des Geschäftsbeziehungsmanagements, in: Kleinaltenkamp, M./Plinke, W. (Hrsg.): Geschäftsbeziehungsmanagement, Berlin Heidelberg: Springer, 1997, S. 1-62.)
Die Transaktionskostentheorie erklärt die Wahl möglicher organisatorischer Konstellationen anhand der effizientesten, kostensparendsten Form des Austauschs. Die Extrempunkte in einem reichen Kontinuum von mehr oder weniger hybriden Zwischenformen sind Markt oder zentrale Hierarchie. Angesichts der transaktionskostentheoretischen Verhaltensprämissen des nur begrenzt möglichen rationalen Verhaltens und der opportunistischen Verfolgung von Eigeninteresse entstehen in Kombination mit unterschiedlichen Ausprägungen von Spezifität und Unsicherheit situativ organisatorische Rahmenbedingungen, die die Transaktionen jeweils am effizientesten ablaufen lassen. Auch wenn die Transaktionskostentheorie nicht explizit auf das Abhängigkeitskonstrukt eingeht, sondern sich über die Betrachtung der Wechselkosten einer Erklärung nähert, ist die Spezifitätsproblematik geradezu prädestiniert, den Begriff der Abhängigkeit transaktionskostentheoretisch zu operationalisieren. Sie konzentriert sich auf ökonomische Bindungen und zeigt, daß auch bei vorhandenen Alternativen der entsprechende Partner abhängig sein kann, weil ihm aufgrund hoher Wechselkosten eine (selbst bessere) anderweitige Zusammenarbeit verwehrt ist. Die input- und gleichzeitig investitionsorientierte Sicht der Transaktionskostentheorie ist eine entscheidende Erklärung für Abhängigkeiten. Allerdings ist sie ergänzungsbedürftig hinsichtlich temporärer, immaterieller spezifischer Inputs, der Möglichkeit ungeplanter Bindungsentstehung und hinsichtlich Bindungsentstehung, die nicht auf Investitionen zurückgeht.
Kontaktperson : Iwohn, Andrei E-Mail : admin@andreiiwohn.de
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