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Compaq Proliant wohnzimmertauglich machen




Die alten Modelle der beliebten ProLiant Serie von Compaq/HP sind auf den Gebrauchtmärkten meist als Schnäppchen zu haben. Bereits ab etwa 20,- € (je nach Ausstattung und Alter) ist man mit von der Partie und kann sich ein solches Server-Monster zuhause ins Wohnzimmer stellen. Ob aus Nostalgie, Sammlerleidenschaft oder Faszination an der Technik, jeder hat seine eigenen Beweggründe, wenn er sich so einen Dinosaurier zulegt.

Doch oft landet das sperrige Teil schon nach wenigen Betriebsstunden wieder am Markt oder im Keller, denn diese Dinger sind eben kein PC und verhalten sich sehr eigensinnig im Bezug auf Hardware-Setup und Konfiguration. Jedoch ist der Hauptgrund für das rasche Entsorgen aus dem Wohnzimmer der einfach unglaubliche Lärmpegel, den so ein Schwergewicht von Rechner produziert. Wer dann denkt, die Lüfter seien doch einfach durch leisere zu ersetzen, der wird rasch eines Besseren belehrt, und so mancher Bastelfreak ist an diesem Problem verzweifelt.

Man kann das leidige Error #1611-Problem mit Lüftern von Fremdherstellern jedoch austricksen, ich verrate euch hier wie das funktioniert:

Diese Server sind auf Langlebigkeit und Ausfallsicherheit ausgelegt und dementsprechend wird alles, was da drinnen heiß werden kann, kompromisslos gekühlt. Zum Einsatz kommen daher gewaltige Lüfter, die so viel Luft wie nur möglich durch das Gehäuse pumpen, was natürlich in einer Lärmkulisse resultiert, die nur in entsprechend isolierten Rechnerräumen tolerabel ist. In Umgebungen, wo sich Menschen aufhalten, die kommunizieren und arbeiten wollen, ist so ein Teil völlig fehl am Platz. So mancher Staubsauger würde neben so einer Maschine blass werden.

Wenn man nun einen solchen Server für seine privaten Computergelüste ersteigert hat, muss man die Kiste wohl oder übel im Lärmpegel reduzieren, um nicht den Spaß an der Sache zu verlieren. Tauscht man jetzt einfach mal die Originallüfter gegen leisere Fabrikate aus, ist sofort erst einmal Schluss mit lustig, denn man bekommt einen kritischen Fehler (1611) gemeldet und das System schaltet noch am Beginn des Bootvorganges ab.
Das ist eine Hardwaretechnische Sicherheitsmassnahme, die ein Überhitzen des Servers verhindern soll, falls ein Lüfter ausfällt. Die Drehzahl der Lüfter muss immer einen bestimmten Wert erreichen, der innerhalb geringer Toleranzgrenzen liegt. Man hat bei Silent-Lüftern immer eine wesentlich niedrigere Drehzahl als nötig wäre, selbst wenn die Drehzahl durch den Einsatz eines kleinen Lüfters zufällig stimmen sollte, so funktioniert die Sache meist auch nur einmal bei fünf Bootvorgängen.

Was kann man also tun?

Einerseits bietet HP/Compaq bei den größeren Severmodellen ein Softwaretool an (Insight Manager), welches die Reduktion der Lüfterdrehzahl in unkritischen Situationen zulässt, andererseits lässt sich die Hardware durch einen Trick aber auch total überlisten, und man kann ohne Fehlermeldungen jeden beliebigen Lüfter einsetzen. Hört sich gut an, aber wie geht das nun?

Kommen wir zur Sache:

Der Trick ist für einen Bastler eigentlich simpel, und er funktioniert. Aber Vorsicht: Man sollte es nicht übertreiben bei der Entlärmifizierung, denn gerade die Mehrprozessorsysteme produzieren viel Hitze - man sollte sich also erst einmal ein neues Konzept zur effizienten Kühlung überlegen, bevor man den Server seiner Lärmquellen beraubt, zB. mehrere kleine Kühler direkt an den Hot Spots, also etwa den Kühlrippen der CPUs, anstatt der Lüftermonster, die aus einiger Entfernung den Luftstrom darüber blasen.

Im Prinzip macht man Folgendes: Das Tacho-Signal wird erstens vom CPU-Lüfter auf die anderen Tacho-Pins der restlichen Lüfteranschlüsse verteilt, und zweitens muss - und das ist der entscheidende Trick, um den 1611-Fehler zu eliminieren - das Tachosignal mit den beiden Massepins verbunden werden. Klingt nicht besonders einleuchtend, aber nur so kann die Fehlermeldung #1611 umgangen werden.

Zur Veranschaulichung soll diese Skizze dienen:

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Der Netzteillüfter

Wem dann noch die Turbine des Netzteils zu laut sein sollte, der kann natürlich auch diesen austauschen - aber bitte nicht unbedingt den schwächsten Silent-Propeller kaufen, denn das Netzteil hat in so einem Rechner viel Strom zu liefern und auch noch den Festplattenkäfig zu lüften, doch leiser geht es auf jeden Fall.
Das Netzteil muss geöffnet und der Lüfter vorsichtig ausgebaut werden, das Lüfterkabel schneidet man am besten knapp am Lüfter durch, so hat man dann keine Probleme mit dem Anstecken des neuen Lüfters im Netzteil.
Dem neuen Lüfter schneidet man den 3-Pin Stecker ab und verbindet alle schwarzen Massekabeln (zwei am Anschluss und eines am Lüfter) gemeinsam mit den Tachosignalkabeln von Lüfter und Netzteilanschluss miteinander, ja genau - alles auf einen Strang zusammen, also insgesamt werdsen fünf Kabel (2+1 Masse und 1+1 Signal) zu einem verbunden. Die Plusleitungen vom Lüfter und vom Netzteilstecker zusammenfügen, isolieren und alles wieder zusammenbauen. Wenn alles richtig gemacht wurde, läuft das Netzteil ab sofoert leiser. :-)

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Skizze:

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Ja, was soll ich noch sagen, ich habe es auf diese Art geschafft, eine Art "Silent Proliant" zu basteln, der einen Kenner wahrscheinlich stutzig machen würde.
Beim Betrieb von vier Pentium Pro 200 mit 1 MB Cache geht es dann aber doch nicht mehr ganz so leise wie man vielleicht möchte, denn diese Prozessoren sind echte Heizelemente, da muss schon ein kräftiger Luftstrom für den raschen Abtransport der heissen Luft sorgen, sonst kann es Probleme geben.

CPU-Kühlung optimieren

Wenn der Luftstrom nun zu schwach wird für die CPUs, könnte man zB. zwischen die vier Kühlkörper des Proliant 5500/P6/200 einen 1-1,5 cm dicken Lüfter mit 6-7 cm Kantenlänge seitlich an den Kühlkörper unten hinten anbringen, damit der Luftstrom für die CPUs weiter hinten verstärkt wird. Das funktioniert bei mir recht gut.
Ich habe auch probiert, die vier CPUs mit Lowprofilekühlern (aktiv) zu kühlen, aber die PPro 1M sind einfach zu heiß für diese winzigen Kühler, das hat nicht wirklich funktioniert.

Der Umbau:

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Die Befestigung des Zusatzlüfters seitlich am Kühlkörper (unteres CPU-Board). Zwei Schrauben reichen aus.

Nahaufnahme.
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Unteres Board eingebaut, das obere lässt sich problemlos über den Lüfter schieben.
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So ging es leider nicht - zu schwache Lüfter und zu kleine Kühlkörper.

Mehr zu diesem und anderen Themen finden Sie auf http://www.kellerabteil4.at


Bitte beachten: Diese hier beschriebenen Massnahmen sind nicht geeignet für Mainboards von anderen Herstellern, da es auf 3-Pin Anschlüssen eventuell zu einer Beschädigung des Mainboards kommen könnte.
Diese Änderungen gelten nur für Compaq Systemboards mit zwei Masseleitungen am Lüfteranschluss.
Ich muss außerdem darauf hinweisen, dass eventuell noch vorhandene Garantie bei HP/Compaq dadurch verloren geht und die Lebensdauer des Servers oder von Komponenten des Servers dadurch verkürzt werden könnten.

Bitte um Verständnis, jeder ist selbst verantwortlich für solche Umbauten an seinem Gerät, ich hafte nicht für Schäden!


Kontaktperson : Walter Leonhard Schramböck
E-Mail : kellerabteil4@kabsi.at


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