Mode

Die Krawatte



Die Krawatte
Vom Halstuch zum Halsschmuck

Zahlreiche Publikationen über die Krawatte und ihren Ursprung nennen die Trajanssäule in Rom als Beispiel für die Darstellung der ersten Vorläufer dieses Halsschmucks. Doch was die römischen Legionäre zu Beginn des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts um dem Hals trugen, erinnert nur fern an die heutige Krawatte: es handelt sich dabei ebenfalls um ein Stück Stoff, das man sich um den Hals wickelte. Echte Vorläufer der Krawatte sind eher die Halstücher, die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts Teil der Herrenkleidung geworden sind. Damals war eine Spitzenkrawatte Zeichen außerordentlichen Reichtums. Selbst die teuerste
handgemachte Krawatte unserer Tage ist billig im Vergleich zu der Spitzenkrawatte, die einst der englische König Charles II. im Jahre 1660 trug. Sie kostete 20 Pfund und 12 Schillinge - und das zu einer Zeit, als ein paar Pfund ein gutes Jahresgehalt waren.

Im Amerika des 18. Jahrhunderts finden wir den ersten Prototyp der heutigen Krawatte. Die sogenannte »Bandanna« war ein großes gemustertes Tuch, das man sich mehrfach um den Hals wand und mit einer Schleife schloss. Der amerikanische Boxer James Belcher machte sie populär. Der Engländer George Bryan Brummeil rief im frühen 19. Jahrhundert eine ganz neue Mode ins Leben. Jener legendäre Dandy und große Stilist lehnte jede Übertreibung in der Mode ab. Die Kleidung eines Gentleman durfte auf keinen Fall verspielt oder auffällig sein. So kreierte er einen Look bestehend aus blauem Frack, beiger Weste und Hose, schwarzen Stiefeln und einem blendend weißen Halstuch. Hier soll uns nur letzteres interessieren. Brummeil, der den Beinamen »Beau« trug, hatte immer eine große Menge gestärkter weißer Leinentücher zur Hand. Wenn ihm der Knoten misslang, nahm er ein frisches Tuch und wiederholte die Prozedur, und zwar so lange, bis er zufrieden war. Das konnte dauern - und dementsprechend war sein Verbrauch an Leinen enorm hoch, genau wie seine Wäschereirechnungen. Mit dieser Praxis hat die moderne Krawatte nichts mehr zu tun.

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Die unmittelbaren Vorläufer unserer heutigen Krawatte waren die ersten Schul- und Clubkrawatten. Im Jahre 1880 banden sich die Mitglieder des Oxford University"s Exeter College die Hutbänder ihrer Strohhüte mit einem einfachen Krawattenknoten um den Hals und kreierten so die erste Clubkrawatte. Am 25. Juni desselben Jahres bestellten sie bei ihrem Schneider Krawatten in den entsprechenden Farben und lösten damit eine ganz neue Mode aus, die von anderen englischen Clubs und Schulen begeistert aufgenommen wurde. Der Vorläufer der gemusterten Krawatte war der »Macclesfield tie«, so benannt nach der Stadt im Nordwesten Englands, in der die Rohseide aus Indien und China verarbeitet wurde. Hier entstanden um 1900 gemusterte Krawatten in einer nie gekannten Vielfalt, produziert für die Mitglieder einer wachsenden Mittelschicht, die durch die Krawatte zeigen wollten, dass sie es geschafft hatten.

Die moderne Krawatte existiert in der heutigen Form seit 1924, obwohl wir modern aussehende Krawatten bereits auf Fotos aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg entdecken können. Doch die Krawatten vor 1924 wurden meist mit der Laufrichtung des Stoffs ausgeschnitten und dann mit einem anderen Stoff gefüttert. Dadurch nutzten sie sich schnell ab und der Knoten hinterließ häßliche Falten. Der New Yorker Jesse Langsdorf fand die Lösung: Er schnitt die Krawatte nicht einfach irgendwie aus dem Stoff, sondern in einem Winkel von 45 Grad zur Laufrichtung. Zudem schnitt er die Seide nicht in einem Stück aus, sondern in drei Teilen, die dann zusammengenäht wurden. Diese Neuerung ließ er sich patentieren und verkaufte die Methode später in die ganze Welt. Bis auf den heutigen Tag werden die meisten guten Krawatten auf diese Weise hergestellt.

Stars der Stripes
Wer eine Krawatte mit den Farben eines Regiments, eines Colleges, einer Schule oder eines Clubs trägt, will damit sagen, dass er dazugehört, zu der entsprechenden Institution - und vor allem zur guten Gesellschaft. So ist es jedenfalls in England, der Wiege dieser Krawatte. Männer, die nicht dort beheimatet sind, kaufen solche Krawatten nach stilistischen oder ästhetischen Kriterien, und dagegen ist auch nichts zu sagen. Peinlich wird es nur, wenn ein Deutscher einen englischen Geschäftspartner trifft und aus Versehen die Farbe eines renommierten Ruderclubs trägt, in dem er natürlich nicht Mitglied ist - im Gegensatz zu seinem englischen Gegenüber. Die Wahrscheinlichkeit, auf diese Weise ins Fettnäpfchen zu treten, ist in England relativ groß, da es eine unübersehbare Zahl von »sprechenden« Farbkombinationen gibt. Deshalb sollten die wichtigsten bekannt sein.

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W. Kriesel
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