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Drehbuch eines geplanten Mordes


Drehbuch eines geplanten Mordes

Warum der Kodak K 40  Super8 Film sterben musste

 

Viel ist zum Tode des K40 Super8 Filmes geschrieben worden, Petitionen wurden ins Leben gerufen, Aufrufe getätigt und Bittbriefe verfasst, - und doch, der K40 ist tot.

Nun denn, es hat nichts genutzt, wenigstens gibt es ein neues Material.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt jedoch, dass alles geplant und einkalkuliert war.

Getreu dem Motto : „kleine Katastrophen überspielt man am besten durch eine Große“, hat Kodak genau das realisiert, was bereits seit langem vorbereitet wurde.

Um das Ganze zu verstehen, ist ein gewisses Managementverständnis von Vorteil :

Geplante Strategien eines Unternehmens benötigen rund 2 bis 3 Jahre von der Grundidee bis zur Umsetzung, selbst Panikstrategien, zum Beispiel wegen akut sinkender Erträge, brauchen rund 1 Jahr bis sie die Instanzen durchlaufen haben.

Kein Großunternehmen ist aufgrund seiner Struktur in der Lage von heute auf morgen einen Strategieentschluss zu fassen und sofort umzusetzen. Zunächst müssen Zukunftsprognosen erstellt werden, Konsequenzen auf alle Unternehmensbereiche geprüft und letztlich alle möglichen Kundenszenarien durchgespielt werden.

Hier gibt es den sogenannten „best case“, was bedeutet, alles läuft besser als geplant, den „normal case“, alles läuft wie geplant und letztlich den „worst case“, es läuft schlechter als geplant.

Jedes Management spielt diesen worst case akribisch durch, denn in jeder Strategie werden Rücklagen für diesen Fall automatisch gebildet.

Oft weiß der Verbraucher gar nicht, ob es sich um einen worst case handelt, auch wenn es ihm so erscheint, denn eventuell sieht das Management dieses als normal case an, hat es aber wissentlich dem Verbraucher nicht so dargestellt.

Ein typisches Szenario dieser Art war beispielsweise der vorletzte Bundestagswahlkampf der FDP. Man rief 18% Stimmengewinn aus und freute sich dann über runde 10%, was mehr war als im vorigen Wahlkampf.

Was hat das nun alles mit dem Kodak K 40 zu tun ?

Nichts wird man sagen, wenn man nur den Schmalfilm allein betrachtet, viel jedoch, wenn man bei Kodak auch nach rechts und links blickt.

Nach dem Zusammensetzen der Mosaiksteinchen, ergibt sich das Drehbuch eines geplanten Mordes mit allem, was dazugehört, um ein richtiger Krimi zu werden.

 

Die Ausgangslage

Schmalfilm ist nichts anderes als Dia-oder Negativfilm für den Fotoapparat, nur schmaler und mit kleineren Löchern. Das Geschäft von Kodak gliederte sich 2001 in die Bereiche Filmherstellung, egal welches Format, Filmentwicklung, Vertrieb von Entwicklungsmateria-lien und Digital images, also die digitale Fotografie.

Während man in den ersten drei Bereichen technisch gut aufgestellt war, hatte man den digitalen Trend ziemlich verschlafen, was nun zu einer sich öffnenden Schere führte.

Der Umsatz im analogen Bereich ging zurück, der Umsatz im digitalen Boom-Markt stagnierte.

Hinzu gesellte sich die Tatsache, dass im analogen Bereich die Produktion von Filmmaterial relativ flexibel gestaltet, also nach unten angepasst werden kann, jedoch die Entwicklung ein riesiges Equipment benötigt, welches nicht so einfach reduziert werden konnte.

So saßen die Manager von Kodak, aber auch von Foto Quelle, Agfa sowie Foto Wegert in ihren Büros vor demselben Dilemma.

Hier beginnt nun der Krimi, dessen letztes Opfer der K40 sein wird.

 

Der Plan

Wie wird man ein defizitäres Geschäft, wie das der Entwicklung möglichst kostengünstig los und kann in dieser Zeit sogar noch Profite erzielen ?

Diese Frage dürfte die großen Hersteller auf dem deutschen Markt, allen voran Kodak, aber auch Foto Quelle, V-Dia und Wegert umgetrieben haben.

Der traditionelle Weg ist, einfach die Produktion einzustellen und die Standorte zu schliessen.

Das hat aber Imageschaden zur Folge, den man einkalkulieren, aber auch versuchen kann zu umgehen.

Die große Frage ist, ob es sich bei dem Plan um mehrere einzelne Pläne der Fotofirmen handelte, oder um einen einzigen, von allen Beteiligten abgestimmten Plan.

Für letzteres spricht, dass in der Marktwirtschaft niemand seinem Gegner etwas schenkt, schon gar nicht Marktanteile.

Hätte Kodak allein seinen Plan der Trennung vom Entwicklungsgeschäft durchgezogen wäre die Gefahr gewesen, dass die anderen Laborbetriebe die Marktanteile von Kodak einfach übernommen hätten.

So bleibt zu vermuten, dass die großen Vier sich vorab auf einen Generalplan unter einem Dach geeinigt hatten, wobei Kodak mit seinem Kodachrome Material eine Sonderstellung innehatte.

Dieses konnte ausschliesslich in Kodak Laboren (abgesehen von Dwayne´s in den USA) entwickelt werden.

Für diesen Bereich, der die Diafilm – und Schmalfilmentwicklung (8 und 16mm) betraf musste eine Sonderlösung gefunden werden, bis man ein Material auf den Markt bringen konnte, welches von jedem Labor entwickelt werden konnte.

So wurde kurzerhand vorab die Schmalfilmentwicklung aus Stuttgart in das eigene Labor bei Lausanne in der Schweiz verlegt und so galant aus der Schusslinie genommen.

Nun bedurfte es nur noch einer neuen Firma, die das Laborgeschäft bis zu seiner Einstellung übernimmt.

 

Der Mann aus dem Nichts

Der Mann hieß Uwe H. Gesper, war im sonstigen Leben Rechtsanwalt und Insolvenzverwal-ter in Mannheim und hatte die BT Mittelstands GmbH in Mannheim frisch gegründet,- ein kleiner Betrieb ohne nennenswertes Eigenkapital.

Über die BT Mittelstands GmbH wurde eine Holding gestellt, die ebenfalls frisch gegründete

BHG Color & Print GmbH & Co KG, deren Beiratsvorsitzender Uwe H. Gesper war.

Dieser Betrieb kauft wie aus dem Nichts Anfang 2003 die gesamte Laborsparte von Foto Wegert, zudem die Traditionsfirma V-Dia zu einem symbolischen Preis. Damit ist Wegert seine Probleme los, die V-Dia Inhaber ebenfalls und Gesper hat sie, jedenfalls wenn man den Gesamtzusammenhang nicht erkennt.

Über den genauen Fortgang bei später noch hinzukommenden ehemaligen Foto Quelle Tochter RCL Colorlabor GmbH, Foto Wegert und V-Dia ist wenig bekannt, der spätere Abgesang dieser neuen Töchter der BHG verläuft still und leise. Letztendlich werden die Labors 2004 geschlossen und die Mitarbeiter sitzen auf der Straße.

Als Vorletzter stößt die Firma Kodak zu dieser in der Geschichte der Bundesrepublik einmaligen Firmenkonstruktion.

Das Schicksal der Kodak Foto Service GmbH ist jedoch detailliert dokumentiert, wahrschein-lich weil große Fische größere Welle schlagen als Kleine.

Mit dem Auftreten des Uwe H. Gesper ergeben sich berechtigte Fragen :

Warum gründet ein auf Insolvenzrecht spezialisierter Anwalt eine Firma und eine dazugehörige Holding, deren einziger Zweck es ist, innerhalb von kürzester zeit 25% des deutschen Labormarktes unter ihrem Dach zu vereinen ?

Warum wendet sich der branchenfremde Anwalt überhaupt diesem Thema zu ?

Welche Zukunftsvision und welches Kapital steckt hinter der Firma und wer hat es bereitgestellt ?

Was war die Grundlage dafür, dass innerhalb kürzester Zeit die größten deutschen Fotofirmen diesem branchenfremden Mann zu symbolischen Preisen ihr gesamtes Geschäft übertrugen ?

Was kann diesen Mann bewegt haben, aus dem Nichts innerhalb eines Jahres eine Firmenkonstruktion mit rund 4.000 Mitarbeitern zu führen ?

Hat der Mann sich dermaßen verschätzt, so dass als Resultat rund 1 Jahr später sein Konstrukt Insolvenz anmelden musste ?

Konnte man so naiv sein sich darauf zu spezialisieren hoch defizitäre Betriebe zu kaufen ( und wenn auch nur für 1.-Euro) und gleichzeitig zu hoffen, ohne Millionen Eigenkapital im Rücken, diese Betriebe innerhalb kürzester Zeit auf die Erfolgsstraße zu bringen ?

 

Aus der Distanz betrachtet, ergeben sich ganz logische und nachvollziehbare Schlussfolgerungen:

Herr Gesper ist Spezialist in der Abwicklung von Firmen,- das ist sein Beruf.

Es ist in der Branche normal, insolvente Firmen in neue Gesellschaftsformen zu überführen, um eine Abwicklung zu erleichtern und einen besseren Stand gegenüber Gläubigern zu haben.

Aus der Firmenbilanz herausgelöst, waren die später übernommenen Fotolabore längst insolvent, denn regelmäßig wurden Verluste durch die Muttergesellschaften ausgeglichen.

Das besondere und wahrscheinlich in dieser Größe einmalige war, dass vorab die Konzerne ihre defizitären Töchter in eine neue Firma überführten, deren einziger Zweck es wohl war, diese Betriebe später ohne Imageverlust der Mütter zu liquidieren.

Die Rolle des Herrn Gesper sollte aber nicht verteufelt werden. Im positiven Sinne sind die Insolvenzspezialisten die Geier der Wirtschaft.

Ihre undankbare Aufgabe ist es, faules Fleisch herauszuschneiden und die Wirtschaft so rein zu halten.

Aus dieser Sicht hat Herr Gesper seinen Auftrag perfekt erfüllt, denn das Resultat entspricht genau dem, was seine Aufgabe war.

 

Die Prophezeiung, die garantiert eintritt

Am 25.09.2003 um 16.47 Uhr gibt Antonio M. Perez, seit April neuer Chief Operating Officer (Vertriebsvorstand) bei Kodak in New York einen Ausblick auf die künftige Strategie des Konzerns .

Diese Strategie beinhaltet die weitgehende Abkehr von herkömmlichen Filmen. Das Produkt-portfolio soll erweitert werden, der Umsatz soll bis 2010 auf 20 Milliarden US Dollar steigen.

Es wird drei Kernzielgruppen geben : Endverbraucher, Medizin und professionelle Fotografie.

Um bei der Digital-Fotografie vom Abstellgleis in eine führende Position zu kommen, werde Kodak bis 2006 insgesamt 3 Milliarden US Dollar in Forschung und Firmenübernahmen investieren.

Im Bereich des traditionellen Filmes will man marktkonform wachsen, jedoch sei das Medium auf dem Höchstpunkt seines Entwicklungsstandes, so dass es hier nur noch Evolutionen statt Revolutionen geben wird.

Aus dem Entwicklungsgeschäft will man sich weltweit zurückziehen und dieses an freie Labors übergeben. Diese Labors will man dann aber selbstverständlich mit den bewährten Utensilien zur Filmentwicklung beliefern.

 

Der deutsche Deal

Im November 2003 mit Wirkung zum 01.12.2003 verkauft die deutsche Kodak, für die gesamte Branche sehr überraschend ihre gesamte „Kodak Labor Gruppe“ angeblich zum Kaufpreis von 1.-Euro an die BHG. Hinzu soll noch eine Mitgift von 8 Mio Euro für spätere Abfindungen gekommen sein.

Kodak bleibt Minderheitsgesellschafter, also ohne Entscheidungsbefugnis.

Überraschend ist der schnelle Verkauf, weil der Übergang zum 1.12. in der Wirtschaft sehr ungewöhnlich ist, oder liegt es etwa daran, dass man schnell handeln muss, im Wissen was in Kürze geschieht?

Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kodak Deutschland, Roswitha Ramin durchschaut den Deal bereits am 15.11.2003 und vermutet, Kodak habe sich durch den Verkauf an die BHG um die Zahlung angemessener Abfindungen gedrückt, denn die 8 Mio. Euro machen nur ungefähr die Hälfte der zu zahlenden Abfindungen aus.

Insgesamt 1.500 Mitarbeiter in Deutschland sind ab dem 1.12.2003 nicht mehr bei Kodak beschäftigt, sondern bei der Heidelberger BHG.. Zu Ihnen gehört auch Martin Wolgschaft, ehemals Geschäftsführer der Kodak GmbH, der in die Geschäftsleitung der neuen Firma einsteigt.

 

Das böse Erwachen

Bereits am 28.01.2004 stellt die BHG ihr Gesamtkonzept vor, bei dem es um Konzentration der Labore aller neuen Töchter, also Schließungen und Entlassungen geht.

Bereits am 29.01.2004 werden sechs Labore geschlossen, davon das Kodak Labor in Mühlen-beck bei Berlin, ansonsten trifft es vor allem das Wegert Großlabor .

Die ehemalige Kodak Tochter beginnt nun sofort mit der BHG Geschäftsführung zu verhandeln, im Endeffekt einigt man sich darauf, dass nur noch 4 Standorte von Kodak erhalten bleiben, auch das Labor in Stuttgart steht zur Disposition. Insgesamt 850 Mitarbeiter sind betroffen.

Am 27.02.2004 bricht der Betriebsrat die Sozialverhandlungen ab, wahrscheinlich, weil so langsam das Spiel durchschaut wird und ruft die Einigungsstelle an. Damit wird der ganze Vorgang erstmals öffentlich.

Das Angebot von Uwe H. Gesper konnte vom Betriebsrat nicht akzeptiert werden, denn die Abfindungssumme sollte erst im September 2004 ausgezahlt werden, weiter eine Kappungs-grenze von 32.000.-Euro gelten.

Die BHG reagiert jedoch nicht, wie es in der deutschen Wirtschaft üblich ist, sondern bestraft alle ehemaligen Kodak Mitarbeiter damit, dass einfach die Februargehälter nicht gezahlt werden. Auf Nachfrage nach den ausstehenden Löhnen durch die Medien antwortet die BHG: „ Wir könnten schon, aber wir wollen nicht !“. Die ausgegebenen Gehaltsabrechnungen tragen den Vermerk :“Betrag wurde überwiesen“. Diverse Mitarbeiter erstatten Anzeige wegen Unterschlagung.

 

Und noch ein Deal kurz vor „Ladenschluß“

Am 5.3.2004 verkauft plötzlich die Foto Quelle AG ihre Labore komplett an die BT Mittelstands GmbH von Uwe H. Gesper, also nicht an die Holding, wie Kodak.

Letztlich bleibt aber alles in einem Haus.

Der Kaufvertrag, wieder zu einem symbolischen Preis wird zum 31.03.2004 wirksam.

Damit ist die letzte große Laborkette auf den Liquidationszug gesprungen und das im letzten Moment.

Der Vorstand der Foto Quelle AG sieht das natürlich anders. So steht in der Presseerklärung, dass die Produktionsstandorte Nürnberg und Berlin erhalten bleiben, die BT Mittelstands GmbH würde auch alle Beschäftigungsverhältnisse übernehmen.

Die BT Mittelstands GmbH habe erst 2003 das Berliner Großlabor Wegert übernommen.

Diese sehr geschickte Formulierung für das Volk zeigt die Dreistigkeit des Deals.

Das Wegert Großlabor in Berlin ist längst geschlossen, aber wer kennt das schon außerhalb der Hauptstadt. Der Kodak Deal wird schön verschwiegen, denn hier ist Käufer ja auch die Holding und nicht die BT.

Vielleicht hatte die bewusste Nichtnennung von Kodak in der Presseerklärung auch einen ganz anderen Grund, denn bereits einen Tag nach dem Kauf der Foto Quelle Labore folgte der finale Endschlag von Uwe H. Gesper`s BHG  gegen die ehemaligen Kodak Mitarbeiter.

 

Die Liquidation des Opfers

Am 6.3.2004, also einen Tag nach dem Kauf  der Foto Quelle Labore sitzt Uwe Gesper wieder bei einer Verhandlung, allerdings keiner neuen Kaufverhandlung, sondern in der Insolvenzverhandlung für die Kodak Foto Service Fotolabore (KFS) beim Amtsgericht Heidelberg.

Man muss sich dieses auf der Zunge vergehen lassen : Am 05.03. kauft Gesper die Labore von Fotoquelle als Geschäftsführer seiner Firma BT Mittelstands GmbH, am 06.03. beantragt er als Beiratsvorsitzender der BHG Holding die Insolvenz für die ehemaligen Kodaklabore.

Zum runden Abschluss des Bildes geschieht dieses nur eine Woche nach Scheitern der Sozialplanverhandlungen.

In einer, am selben Tag erschienenen Mitteilung gibt die BHG die Gründe für die Insolvenz-anmeldung, hier zusammengefasst, an :

1.

Durch die Haltung des Gesamtbetriebsrates wird das Unternehmen in bezug auf die Abfindungen über Gebühr belastet (komischerweise war bereits beim Verkauf durch Kodak bekannt, dass die 8 Mio Euro nicht ausreichen würden)

2.

Die unnötigen Prozesse in die die Mitarbeiter (durch den Betriebsrat) getrieben werden, bedeuten für die Gesellschaft Kosten in erheblichem Umfang

3.

Der Betriebsrat hat nicht zugestimmt, dass die Abfindungen zu einem späteren, saisonal umsatzstarken Zeitpunkt ausgezahlt werden (die 8 Mio Euro waren von Kodak doch bereits im Dezember bereitgestellt worden)

4.

Die Lohnkosten der ehemaligen Kodak Mitarbeiter liegen im Schnitt 20% über denen in den anderen Laboren

5.

Aufgrund der obigen Gründe würde der Gesellschaft im Mai/Juni 2004 die Zahlungsunfähig-keit drohen

6.

Für den Sozialplan hat der ehemalige Eigentümer Kodak Mittel bereit gestellt, zusätzlich sind Vermögenswerte zur Absicherung vorhanden.

 

Der Vollstrecker

Am 9.3.2004 bestellt das Amtsgericht Heidelberg Dr.Dr. Werner Schreiber zum Insolvenz-verwalter.

Dieser handelt sofort und findet eine traurige Bilanz vor:

Von den 8 Mio Euro Abfindungsleistungen, die Kodak als Mitgift mitgegeben hat, sind zu diesem Zeitpunkt 2 Mio Euro spurlos verschwunden. Die leitenden Angestellten der KFS (Kodak Fotoservice GmbH) haben ihre hohen Abfindungen bereits ausgezahlt bekommen, die einfachen Mitarbeiter warteten immer noch auf ihre Abfindungszahlung, die sie auch nie erhalten würden, wenn die Masse nicht ausreicht.

Weiter muss der Insolvenzverwalter zur Kenntnis nehmen, dass die KFS aus eigener Kraft nicht einen Tag nach Eröffnung des Verfahrens weitergeführt werden könne, denn erstens bestanden Managementverträge, die in einer eigenartigen und einmaligen Gestaltung ,den Geschäftsbetrieb vollkommen an die Entscheidungen der BHG Holding koppelten, zweitens verfügte die KFS nur drei Monate nach dem Verkauf durch Kodak über keinerlei Liquidität außer Grundstücken und Maschinen.

Dieses lag daran, dass laut Auskunft des Insolvenzverwalters die BHG Color & Print aus ihren Verträgen mit der KFS in den letzten Monaten nicht einmal die vereinbarten Zahlungen geleistet hatten. Die BHG ließ die KFS also regelrecht ausbluten.

Hier hat jemand ganze Arbeit geleistet.

 

Der Auftraggeber bekommt kalte Füße

Kodak hatte es sich so schön vorgestellt.

Die defizitäre Laborsparte ist abgestoßen, nur noch die Schmalfilmentwicklung hatte man am Hals, statt Verluste einzufahren verkaufte man der BHG Holding nur noch risikofrei Fotopa-pier und Chemikalien. Wo für den Kunden Kodak draufsteht, muss auch Kodak drin sein und nun das,- nein nicht was der geneigte Leser denkt nämlich Gewissensbisse wegen geschlossener Labors oder arbeitsloser Menschen-. Das war ja wahrscheinlich von vornherein einkalkuliert, als Kodak seine Laborsparte an die BHG Holding verkaufte, das gehörte wohl zum Plan.

Vielmehr machte man sich Sorgen um einen wegbrechenden Markt, nämlich den Markt für Fotopapier und Entwickler. Wem sollte man etwas verkaufen, wenn es keine Kodak Labors mehr in Deutschland gab.

So handelte man schnell und sehr unkonventionell. Bereits am 5.5.2004 hatte Kodak, obwohl man offiziell nichts mehr mit den Laboren zu tun hatte, dem Insolvenzverwalter eine Finanzierungszusage für die KFS erteilt. Kodak verpflichtete sich ab dem 01.05.2004 alle Arbeiten der noch produzierenden Labore, für einen Zeitraum von sechs Monaten weiter zu finanzieren

Damit war für Kodak gesichert, die Labore noch sechs Monate  mit Papier und Chemikalien weiter beliefern zu können. Dies erkaufte man sich durch die Übernahme weiter entstehender Laborverluste.

Diesen Zeitraum konnte Kodak jedoch dafür nutzen, neue Vertriebspartner zu finden, die unter dem Label „Kodak“ Filmentwicklungen vornehmen und die notwendigen Utensilien bei Kodak kaufen.

 

Der Mann aus dem Nichts verschwindet ins Nichts

Am 24.05.2004 meldet die BHG Color & Print und V-Dia Insolvenz an. Wieder sitzt Uwe H. Gesper beim Amtsgericht Heidelberg.

In einer pathetischen Erklärung verabschiedet sich die BHG  von der Öffentlichkeit.

Schuld waren alle anderen, alles wäre möglich gewesen, wenn nicht der böse Insolvenz-verwalter Schreiber die „einzigartigen“ Managementverträge gekündigt hätte und nun selbst Kunden akquiriert, um die Labore am Leben zu erhalten, wenn nicht die Mitarbeiter sich so unkooperativ gezeigt hätten, wenn nicht die böse dm Drogeriemarktkette bei V-Dia abgesprungen wäre und so weiter und so fort,- ja alles hätte so schön werden können.

Ein wenig gegen die prophetischen Thesen spricht jedoch, dass der Insolvenzverwalter Dr.Dr. Schreiber nach eigenem Bekunden bei der KFS nicht einmal eine funktionierende Büro-organisation vorgefunden hatte. War das Absicht oder nur Schlamperei ?

Das Resultat steht fest: 2.000 Menschen stehen auf der Straße.

Dr. Uwe H. Gesper sitzt aber nicht, wie vermutet untätig zu Hause.

Bereits am 26.05.2004 werden laut Information der Firma Henry Butcher Golindustry im Namen und für Rechnung des Insolvenzverwalters Rechtsanwalt Uwe H. Gesper, 68161 Mannheim öffentlich meistbietend die Betriebs-und Geschäftsausstattung der Gienath AG Eisengießerei versteigert.

So ist das Leben, am 24.05.2004 noch derjenige, der für seine Firmen Insolvenz anmeldet, am 26.05.2004 selbst Insolvenzverwalter.

 

Das Ende von Kodak in Deutschland

Zum 30.06.2004 schließt das Kodak Labor in Wedemark.

Nervös geworden sind zwei große Kunden zu eurocolor und CeWe gewechselt, stattdessen wird am 4.6.2004 der alte Kodak Laborstandort Leipzig wieder eröffnet, um die Kunden in den neuen Bundesländern weiter bedienen zu können.

Dr. Dr. Schreiber hat  aber keine Möglichkeiten mehr die ehemaligen Kodak Labore trotz großem Engagement zu retten.

Am 19.07.2004 wird  das allen Schmalfilmern bekannte Fotolabor in Stuttgart, welches auch der letzte Sitz der Verwaltung war, geschlossen.

Ursache hierfür war der Absprung der Drogeriemarktkette Müller mit der Fotoentwicklung zu einem anderen Labor.

Damit war die Gesc
Firmenname : Claus Krönke
Kontaktperson : Claus krönke
Tel : 033971-49981
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