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Echt ist nur der Sand


Wiesbaden - Der Antiquitätenhändler Ernst Lehmtopf – Name von der Redaktion geändert – in Wiesbaden freute sich wie ein kleines Kind über seine jüngste große Erwerbung. Er hatte bei einer Internetauktion eine wunderschöne Tonfigur gekauft und diese war wohlbehalten von China nach Deutschland gelangt. Laut Beschreibung handelte es sich um ein Pferd mit Reiterin aus der Zeit der chinesischen Tang-Dynastie (618-907 n. Chr.).

Das etwa 40 Zentimeter lange und 30 Zentimeter hohe Tonpferd mit Resten der ehemaligen Bemalung und stellenweise anhaftendem Sand von der Fundstelle stammte von einem chinesischen Antiquitätenhändler. Er behauptete, diese Figur sei garantiert ein Originalfund, der nach einem heftigen Sturm in einem Grabhügel nahe seines Wohnortes zum Vorschein gekommen sei.

Vom selben chinesischen Lieferanten hatte Lehmtopf auch ein prachtvolles tönernes Pferd aus der Zeit der Tang-Dynastie gekauft. Doch dieses kam in Deutschland völlig zertrümmert an, weil es nicht bruchsicher verpackt gewesen war. Lehmtopf teilte dies noch am selben Tag per E-Mail dem Absender mit und fragte, wie jener den Schadensfall zu regulieren gedenke.

Zur Überraschung von Lehmtopf bot der Chinese lediglich an, er würde ihm bei einem neuen Kauf einen Rabatt geben. Das bedeutete: Der Geschädigte hätte wieder hohe Gebühren für die Banküberweisung, den Versand und den Zoll entrichten und erneut das Risiko eines Transportschadens tragen müssen.

Weil der Antiquitätenhändler Lehmtopf zu dieser Zeit zunehmend von Kollegen vor Fälschungen chinesischer Funde gewarnt wurde, entschloss er sich, für das eingangs erwähnte Pferd mit Reiterin einen so genannten Thermolumineszenz-Test (TL-Test) zum Preis von rund 250 Euro durchführen zu lassen. Bei dieser wissenschaftlichen Untersuchung wird der Zeitpunkt festgestellt, zu dem ein Tonobjekt gebrannt worden ist.

Das niederschmetternde Ergebnis des TL-Tests: Das Tonpferd mit Reiterin war erst vor kurzem hergestellt worden. Nie und nimmer hatte die Figur mehr als tausend Jahre lang in einem Grabhügel gelegen! Es handelte sich um eine Fälschung. Der chinesische Verkäufer, den der deutsche Händler unverzüglich informierte, beharrte darauf, die von im gelieferte Figur sei echt. Keine Rede von Rücknahme und Rückerstattung des Kaufpreises.

Heute weiß der Antiquitätenhändler Lehmtopf: Fast alle als Originalfunde angepriesenen archäologischen Objekte, die er bei Internetauktionen von rund 20 chinesischen Antiquitätenhändlern ersteigert hatte, sind gefälscht. Echt an diesen Figuren, Gefäßen, Spiegeln, Dolchen, Schwertern und Lanzenspitzen ist nur der Sand, mit dem man diese Gegenstände auf alt getrimmt hatte.

Für jeden dieser chinesischen Kopienlieferanten war und ist der Begriff Schadenersatz ein Fremdwort. Die meisten von ihnen schrieben in der Folgezeit sogar weiterhin ungewöhnlich höfliche E-Mails an den deutschen Käufer, bezeichneten ihn als "guten, alten Freund" und empfahlen ihm wärmstens ihre allesamt "garantiert echten Fundstücke"!

Im Internet werden – nach Ansicht von Lehmtopf – von chinesischen Antiquitätenhändlern unzählige Fälschungen angeboten. Die Beschreibungen wirken vielfach blumig, die Fotos zeigen die Objekte oft von allen Seiten und die Preise sind – wenn es Originale wären – meistens relativ niedrig.

Wenn man viele Beschreibungen angeblich archäologischer Funde aus China vergleicht, stößt man bald auf Ungereimtheiten. Ein bestimmter Schwert- oder Dolchtyp wird völlig ungeniert unterschiedlich alten Dynastien – mit Zeitunterschieden von mehr als tausend Jahren –
zugeordnet, oft sogar vom selben Händler. Ähnlich ist es bei Tongefäßen und -figuren. Ein und dasselbe Tonpferd stammt angeblich mal aus der Zeit der Kämpfenden Reiche (475-221 v. Chr.), der Han-Dynastie (202 v. Chr.-220 n. Chr.), der Tang-Dynastie (618-907), der Song-Dynastie (960-1279), Ming-Dynastie (1368-1644), Qing-Dynastie (1644-1911) usw.

Als zweifelhaft erweisen sich oft die Angaben über das Herstellungsmaterial der vermeintlichen Originalfunde. Angebliche Tonobjekte sind in Wirklichkeit aus Gips, bronzene Dolche und Schwerter aus Stahl, massive silberne Objekte nur leicht versilbert. Mancher silberne Drache, Krieger oder Buddha wird bald nach der Ankunft in Deutschland an etlichen Stellen merkwürdig grün, so als ob er sich wegen des Geschäftsgebarens seiner ehemaligen Besitzer schämen würde ...

Auffällig hoch erscheinen mitunter die Versandkosten bei chinesischen archäologischen Funden. Mitunter werden für jedes Stück eigene Versandkosten berechnet, obwohl hinterher mehrere Artikel nur in einem einzigen großen Paket liegen. In Extremfällen übersteigen die Versandkosten den Kaufpreis um ein Vielfaches.

Im größten Internetauktionshaus der Welt bieten immer mehr chinesische Antiquitätenhändler ihre Kopien als Originalfunde an. Man findet sie teilweise sogar in völlig unpassenden Kategorien wie unter Ägypten, Etrusker, Griechenland, Kelten, Mesopotamien, Präkolumbisch oder Römer. Tatsächliche Originalfunde seriöser europäischer oder amerikanischer Antiquitätenhändler drohen in diesem Sammelsurium unterzugehen.

Viele Kaufinteressenten tragen allerdings selbst eine Mitschuld an diesem Fiasko: Sie wollen nicht mehr den wahren Wert eines kostbaren Objekts bezahlen, sondern nur noch Schnäppchen ergattern, am liebsten für 1 Euro! Privatleute kennen nur sehr selten den reellen Wert von archäologischen Objekten. Ein echtes Tang-Tonpferd aus China zum Beispiel kostet nicht weniger als 100 Euro, sondern viel mehr!

Ein seriöser Versandhändler – wie
http://www.archaeologie-shop.com oder
http://www.antiquitaeten-shop.net, der das in Deutschland vorgeschriebene Rückgaberecht innerhalb von 14 Tagen bei Nichtgefallen sowie Waren mit teurem TL-Test anbietet, hat bei dieser "Geiz ist geil-Manier" geringe Absatzchancen. Aus diesem Grund steht in vielen Vitrinen von Sammlern kein vermeintlich kostbarer Fund, sondern nur wertloses Zeug und die Fälscher finden immer wieder neue Opfer!



Firmenname : Antiquitäten-Shop
Kontaktperson : Ernst Probst
Tel : 06134 21152
E-Mail : ernst.probst@gmx.de






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