Die Zuverlässigkeit und Genauigkeit aller Hals- und Sack-Uhren war recht gering, da der nicht eigenschwingungsfähige Gangregler trotz der Verwendung der Schnecke oder des Stackfreeds durch den nicht gleichmäßigen Antrieb beeinflußt wurde. Zudem störten die wechselnden äußeren Einwirkungen, Temperaturschwankungen und Erschütterungen, den gleichmäßigen Lauf des Werkes.
Eine neue Epoche der Geschichte der Taschenuhr beginnt im Jahr 1675, als Christian Huygens seine Erfindung der Unruh mit Spirale in Paris der Akademie der Wissenschaften vorstellt. Er hatte die herkömmliche Unrast mit einer Spiralfeder so verbunden, daß sie eigenschwingungsfähig wurde. Durch diese fundamentale Verbesserung konnten die Mängel der vorher niemals gleich großen Federkraft weitgehend vermieden werden. Ein französischer Historiker schreibt über die beiden technischen Neuerungen, durch die Huygens die Zuverlässigkeit der Groß- und Kleinuhren so entscheidend gesteigert hat, die Verbindung des Pendels mit der Uhr und die Unruh: »Diese zwiefache Erfindung teilt die Geschichte der Uhr und der Zeitmessung sehr deutlich in zwei Abschnitte: Der erste Abschnitt war die Zeit der Vorbereitung, der tastenden Versuche, der zweite die Zeit der Entwicklung der Pendeluhr und der Unruh. Der zweite Abschnitt dauerte zweieinhalb Jahrhunderte und fand erst sein Ende, als die Elektronik die Uhrmacherei ebenso erneuerte wie alle anderen Techniken, die Zeitmessung ebenso wie alle anderen Wissenschaften.«
Uhren sind jetzt nicht mehr wie im 16. und im frühen 17. Jahrhundert viel bewunderte Curiosa und »Kleynodien«. Im letzten Viertel des Jahrhunderts werden sie wirkliche Zeitmesser, die allgemein gebraucht und auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen erfolgreich benutzt werden. Anders als in beiden Jahrhunderten zuvor gehören sie zu dem selbstverständlichen Besitz nicht länger allein der Fürsten und des Adels, sondern auch des begüterten Bürgertums.