Medizin

Gesprächstherapie – Hilfe in der Krise



Gespräch - wozu?
Reden hilft immer, kann man lapidar sagen. Selbst bei Menschen, die sich mit Selbstmordgedanken plagen und nicht mehr ein und aus wissen, ist erwiesen, dass ein gutes Gespräch, aktives Zuhören und Anteilnahme den letzten Schritt, sich vor einen Zug zu werfen oder Tabletten zu nehmen verhindern können. Ein verständnisvolles Gespräch ist oft die beste Medizin.

Minderwertigkeitsgefühle und Selbstzweifel
Leider haben verzweifelte Menschen oft nicht nur Minderwertigkeits- und Isolationsgefühle, sondern auch nur wenige oder so gut wie gar keine Freunde. Sie verlieren durch mangelnde Anerkennung den Bezug zu sich selbst. Deswegen ist es ganz wichtig zu wissen, dass es für Lebenskrisen professionelle Berater und Therapeuten gibt. Gesprächstherapie wird vielfach in unterschiedlichen Formen angeboten. Eigentlich wurde die Gesprächstherapie von dem Humanisten Carl Rogers in den 40er Jahren entwickelt. Für ihn hatte jeder Mensch einen unschätzbaren Wert und der Therapeut die Aufgabe, dies seinem Klienten klarzumachen. Das offene Gespräch gibt dem Therapeuten die Chance, seinem Klienten bedingungslose Akzeptanz zu vermitteln, die sofort durch Anerkennung den Selbstwert des Klienten stärkt und ihn ertüchtigt, sich an die Umsetzung seiner Lebensziele zu machen. In der heutigen überkritischen, leistungsorientierten, stressigen Zeit bleibt die Stärkung des Selbstwertes oft auf der Strecke. Daher leistet Gesprächstherapie erste Hilfe auf dem Weg zu mehr Selbstvertrauen und persönlichem Erfolg.

Wege aus der Verzweiflung
Verzweiflung ist die Ursache für die in letzter Zeit gestiegene Selbstmordrate, selbst unter Jugendlichen und Schulkindern. Mangel an Verständnis, elterlicher Zuwendung oder schulischer Unterstützung treiben manche in die Isolation und dann in den Freitod. Schockierend! Vielfach wären Selbstmorde und auch, wenn sie nur Versuche sind, durch Gespräche und sinnvolle Aufklärung über Möglichkeiten der Veränderung zu vermeiden. Wehklagen und Schuldgefühle helfen da nicht weiter, die Situation erfordert aktive Maßnahmen. Darüber mit allen Verantwortlichen reden, hilft auch hier weiter.

Ansprechpartner für Gesprächstherapie – Brücken bauen
Es wäre wichtig, daß Ansprechpartner in Schulen Vertrauenspersonen der Schüler sind, was bei Lehrern oft nicht gegeben ist durch die Situation der Benotung. Selbst wenn die Schule über einen Schulpsychologen verfügt, so ist auch die Fachkraft auf Hinweise aus dem Umfeld von isolierten oder verhaltensauffälligen Schülern angewiesen. Also wäre es sinnvoll, für jede Klasse mehrere Schüler in Grundlagen der Kommunikation für Gesprächstherapie vom Therapeuten einweisen zu lassen, damit sie den Umgang mit selbstmordgefährdeten und depressiven Mitschülern lernen können oder noch besser, Kommunikation zu einem Pflichtfach im Unterricht oder einem Hauptanteil des Faches Sozialkunde zu machen. So wäre ein Brücke geschaffen für mehr soziales Engagement an den Schulen. Ein gutes Gespräch kann wirklich Leben retten.


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