Wirtschaft

Gründertagebuch als Marketing-Vehikel


Im Frühjahr 2005 überraschte die Wirtschaftswoche ausnahmsweise einmal mit einer guten und originellen Idee. Das Wirtschaftsblatt räumte den Existenzgründern der Firma Moema Espresso Republic GmbH breiten Raum für ein ausführliches Gründertagebuch über die eigene Unternehmungsgründung ein.

Die Lektüre stellte sich als ungemein unterhaltsam heraus. An was dynamische Entrepreneure, wie sie dem großen Schumpeter gefallen würden, so alles denken müssen. Der Businessplan muss ausgetüftelt werden, die Verträge zwischen den Gesellschaftern sind auszuhandeln. Will man Premium-Espresso in Europa verkaufen, darf man sich zudem mit dem Zoll rumschlagen. Dann gibt es potentielle Logistikpartner, die nicht davor zurückschrecken Lagerflächen zu vermieten, die offenbar bereits von Ratten besucht wurden. Ganz nebenbei muss die junge Firma natürlich auch noch Kunden akquirieren, erste Messeauftritte bestreiten und Mitarbeiter überzeugen einzusteigen, auch wenn man noch nicht die ganz großen Gehälter zahlen kann.

Die Lektüre ist so fesselnd, dass man sich am Ende bereits auf die nächste Ausgabe des Gründertagebuches freut. Leider gab es in der Wirtschaftswoche bisher erst zwei Folgen. Hier wäre für den Leser eine höhere Frequenz sicher wünschenswert.

Für die Gründer der Firma kann die Erzeugung von öffentlicher Wahrnehmung nur nützlich sein. Die Leserschaft der Wirtschaftwoche ist ganz sicher zu großen Teilen kongruent mit der Zielgruppe der „Gourmet-Espresso-Trinker“. Zudem werden die meisten Käufer der Wirtschaftswoche gegenüber mutigen Unternehmensgründern eine besondere Sympathie haben. Leider hat nicht jede Firma die Fortune in der Wirtschaftswoche ein Tagebuch führen zu dürfen!

Klaus-Martin Meyer (..ist ganz schlau!)

Leuchtturm   







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