Sport und Freizeit

Modelleisenbahn Gleichstrom - Realismus pur!





Man könnte sich an Michael Ende erinnert fühlen: Die unendliche Geschichte. Der Streit über das bessere Gleissystem, ob Zweileiter Gleichstrom oder Dreileiter Wechselstrom ist so alt wie die Modellbahn selbst. Freundschaften sind darüber ins Wanken geraten und lebenslängliche Entscheidungen wurden damit gefällt, denn wen das Modellbahnvirus einmal so richtig befallen hat, der bleibt dabei, meistens auch bei dem System, dass er am Anfang ausgesucht hat, sind doch viele technische Teile nur in diesem System zu verwenden. So haben gerade Modellbahnanfänger von vorne herein eine grundlegende Entscheidung zu treffen. Um es gleich vorweg zu sagen: Unter gestalterischen Gesichtspunkten ist Modelleisenbahn Gleichstrom das bessere System. In der Wirklichkeit hat keine Schienenschwelle oben einen Punktkontakt. Nun ist es heute aber schon möglich auch auf dem Zweileiter Gleissystem mit Wechselstrom zu fahren. Viele Triebfahrzeuge werden von den Herstellern dafür angeboten. Somit ist die Bezeichnung „Gleichstrom“ eigentlich überholt und gemeint ist damit das Zweileiter Gleissystem - ohne Pickel auf den Schwellen.

Wenn ein Modellbahnanfänger Glück hatte, sind ihm von Profis gute Ratschläge erteilt worden, bevor er sich selbst entscheiden durfte. Sicher ist aber, dass zu diesem Thema 3 Leute mindestens 4 verschiedene Meinungen haben. Da ist dann von der Kehrschleife die Rede, die beim Dreileitersystem von Märklin keinerlei Probleme macht, aber beim Zweileiter Gleichstromsystem Unterbrecher in den Schienen braucht, damit der Pluspol der einen Schiene nicht auf den Minuspol der anderen Schiene trifft. Sonst wäre einfach mal kurz Schluss mit dem Fahrbetrieb, weshalb das auch Kurzschluss genannt wird. Auch die auffällige Farbe der isolierenden Schienenverbinder muss noch  als Argument herhalten. Dagegen halten die Anhänger des Gleichstroms, dass die Unterbrechungen heute technisch kein Problem mehr seien, in allen anderen Maßstäben als in H0, sowieso nur Zweileiter gefahren wird und schließlich gäbe es für die Isolierverbinder einen Tropfen Mattlack - und schon ist das unauffällig erledigt. Erfahrene Modellbauer werden aber einige entscheidende Hinweise nicht unterlassen: Es gibt im Zweileitersystem schlanke Weichenführungen, die einen eleganten Schienenverlauf, wie in der Wirklichkeit, ermöglichen. Und diese Schienen gibt es auch noch mit einem flacheren Profil nach amerikanischer NMRA Norm, das der Originalhöhe näher kommt, als das europäische NEM Schienenprofil. Dass dabei die Spurkränze der Fahrzeuge sehr dicht über den Schwellen liegen, liegt daran, dass auch die, wegen der sicheren Modellführung, nach NEM höher gebaut sind, als nach NMRA Norm. Das international verbreitete DCC Digitalsystem garantiert auch im Zweileiterbetrieb grenzenlose Bewegungsfreiheit der Züge, was vormals, ab 1984 noch dem Märklin Motorola Digitalsystem auf Dreileiterschienen vorbehalten blieb.

Sicher ist, dass der Anfänger nach einer Fülle solcher Ratschläge dringend einen Besuch im Spielwarenladen braucht, um wenigstens eine Lok im Kreis fahren zu sehen. Da kann man beide Systeme vergleichen und sich selbst ein Bild machen. Das informiert nicht nur mehr als alle Theorie, sondern die kreisende Lok wirkt nach einer Weile fast wie ein Mandala und pustet den Kopf von allen möglichen Schlauheiten anderer wieder frei. Loks haben Charme, man verliebt sich und auf seltsame Weise weiß man plötzlich, ob man dem gestalterisch ansprechenderen Zweileitergleis den Vorzug gibt, oder dem fahrtechnisch problemloseren Dreileitergleis mit Wechselstrom.

Also selbst angucken und dann selbst entscheiden!

Nun fährt die erste Lok aus der Anfangspackung ihre Runden und die beiden Weichen funktionieren auch schon - toll! Doch wie soll nun eine Modellbahnanlage entstehen, die den Vorzug des Zweileitersystems auch gestalterisch voll nutzt? Ganze Bibliotheken sind darüber geschrieben worden, aber alle Bücher für „Anfänger“ befassen sich mit dem grundlegenden Anlagenbau, mit Gleisplänen und Schaltungen. Für die eigentliche Landschaftsgestaltung bleibt da wenig Raum. Schöne Bilder gibt es schon, aber meistens wird dann im Text nur auf Zubehörartikel aus dem Handel zurück gegriffen. Eine natürliche Wiese entsteht aber nicht dadurch, dass man Streugras auf eine Leimfläche kippt und bestenfalls elektrostatisch aufrichtet.  Eine Hecke besteht auch nicht aus glattkantig geschnittenen Schaumstoffstreifen und die Furchen eines Ackers sollten die aufgebrochene Erde samt der Erdkrume zeigen. Bäume gibt es zu kaufen, aber zum einen sind die in der benötigten Menge recht teuer und zum anderen kann man die auch ganz leicht selbst bauen - man muss nur wissen wie. Mit wenigen Tricks werden die sogar viel natürlicher als einfache Industriemodelle. Bei kleinen Bäumchen, oder gar bei  Büschen und Sträuchern ist nun aber das Angebot wirklich rar - und allein an einem Bahndamm stehen Hunderte davon. Auch die kann man ganz leicht selbst bauen. Das ist nun aber wirklich etwas für Profis die sich das nötige Wissen angeeignet haben, um die Modelleisenbahn Gleichstrom zu dem zu machen, was sie ist - ein kleines Abbild der Wirklichkeit.


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Verantwortlicher Redakteur: Thomas Prosi - tp(AT)internad(PUNKT)de

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Kontaktperson : Thomas Prosi
E-Mail : tp@internad.de

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