Wirtschaft

Provokation des Monats


Dornröschen küsst sich selbst wach

Kostensenkung, Verschlankung, Outsourcing.
Jetzt auch schon bei mittelständischen Betrieben. Rebellion bei den verbleibenden Mitarbeitern. Sie haben das Gefühl, der steigende Wettbewerbsdruck landet direkt auf ihren Schultern. Sie müssten es jetzt retten. Mehr Verantwortung. Mehr Aufgaben. Mehr Stress. Sollen mehr leisten mit weniger Ressourcen. Fühlen sich alsbald ausgebeutet und überfordert. Gehen auf die Barrikaden.
Sehen von dort oben nichts als bedrohliche Zahlen. Die Übermacht des möglichen Arbeitsplatzverlustes. Seufzen angstvoll und ziehen sich zurück ins dunkle Kämmerlein der Resignation. Auch das Engagement hat Stubenarrest. Ein Sterbezimmer der Innovation. Obwohl da so viel Potenzial schlummert, das dringend gebraucht wird. In jedem Einzelnen.

Aber Deutschlands Führungskräfte liegen teilweise gleich mit im Dornröschenschlaf. Träumen weiter von Zucht und Ordnung, Leistungswille und Härte als führungstechnisches Erfolgsrezept. Beweisen damit, dass sie nicht in das Spieglein an der Wand sehen wollen und daher leider nicht wirklich führen können. Meistens nicht einmal die eigene Person. Verwalten und organisieren statt zu motivieren. Weil sie manchmal ihre eigene Verantwortung nicht erkennen. Deshalb auch keine Ahnung haben, wie andere ihre Verantwortung überblicken und annehmen sollen. Wissen häufig nichts über ihre eigenen Motive und Muster. Können diese auch bei Ihren Mitarbeitern nicht erkennen und sie deshalb nicht leiten. Fragt man sie nach deren Kompetenzen oder Inkompetenzen, kommt Stirnrunzeln. Gelebte Firmenkultur? Oft Fehlanzeige. Authentisches Handeln? Ja, wie denn, wenn man gar nicht weiß, wer man wirklich ist? Und es auch nicht fühlt.  Doch wirkliche Überzeugung kann nur entstehen, wenn Erkenntnisse auch von der Ebene der Gefühle getragen werden. Dieser Bereich des Unbewussten wird allerdings viel zu oft noch einfach abgeschnitten. Doch das heißt, sich selbst zu beschneiden. Besonders die deutsche Wirtschaft steht gerade an dem Punkt, endlich zu erkennen, dass alle Beteiligten ganze Menschen sind in all ihrer Emotionalität, die sich nie wegdiskutieren lässt und in jeder Führungsentscheidung eine Rolle spielt. Aber wie da herankommen? Wie mir mein eigenes Potenzial erschließen? Soll sich Dornröschen etwa selber wach küssen? Zumindest muss es dann nicht mehr auf den eilig herbeigerufenen Beraterprinzen warten und kann sich jederzeit ihre Ressourcen erschließen. Oder die ihres ganzen Völkchens. Selbstcoaching ist hier das Zauberwort. Eigentlich schon eine vornehme Pflicht für eine moderne Führungskraft. So eine Art Selbstbefreiung. Und DAS zukunftssichernde Führungstool der Gegenwart. Klingt märchenhaft? Ist es auch. Wer sich selbst coachen kann, der kann auch neue Realitäten überblicken und annehmen. Verantwortung übernehmen. Der entdeckt seine eigenen Motive und Motivationen und kann das auch bei anderen. Der kann Dinge aus neuen Perspektiven sehen und sich endlich Raum für Kreativität und Handlungsalternativen schaffen. Wer sich selbst entwickeln kann, der kann auch seine Mitarbeiter entwickeln. Gewinnt Mut zu sich selbst, Vertrauen zu anderen und Kraft für die eigenen und gemeinsamen Visionen. Wir müssen ihn austreiben, den verfluchten Geist des Industriezeitalters, wo man Menschen nur wie Maschinen benutzte, um Kapital zu schaffen. Der Wettbewerb fordert alle Ressourcen von Führung und Mitarbeitern. Halbgar oder nur lauwarm dabei sein funktioniert endgültig nicht mehr.  Wir müssen unsere ganze Persönlichkeit in die Waagschale werfen. Das größte Ölfeld, die größte Goldmine, die stärkste Energiequelle ist doch die ganze Zeit direkt vor der eigenen Nase! Genau dort fängt der Reichtum sogar an: Die wertvollsten Potenziale liegen im Inneren der Belegschaft und der Führung. Es wird endlich Zeit, an dieser Stelle zu graben. Und nicht bloß Schaufeln zu verteilen, die reihum weitergegeben werden. Klar, geredet wird viel darüber – aber getan?

Selbstcoaching bringt aber nicht nur eitel Sonnenschein. Der damit verbundene Blick in den Spiegel kann erschreckend sein. Vielleicht schaut einen die Angst an. Oder etwas, das man lieber nicht wissen wollte. Aber sie ist erkannt, die Angst. Und sitzt nicht mehr unbemerkt als schlechter Berater mit am Konferenztisch. Sie kann überwunden werden.  Im Selbstcoaching kann man lernen, auf die eigene innere Stimme zu hören. Die ist sicher. Die trägt auch. Durch alle Entwicklungen hindurch. Denn sie ruft wach, was verborgen lag und jetzt genutzt werden kann. Selbstcoaching richtig angewendet kann aufwecken. Und es ist Zeit, dass Deutschlands Führung aufsteht. Märchen gehören aus dem Reich der Fabel in die Gegenwart übertragen – wozu sind sie wohl sonst da?

Tu’s Dornröschen!


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