Renditen der gesetzlichen Rente: Für Jüngere ein schlechtes Geschäft
Renditen der gesetzlichen Rente: Für Jüngere ein schlechtes Geschäft Trotz steigender Belastungen für die Beitragzahler und sinkender Leistungen für die Rentner errechnen verschiedene Studien für die gesetzliche Rentenversicherung (GRV) bislang noch positive, wenn auch fallende Renditen. Dahinter stehen allerdings sehr optimistische gesamtwirtschaftliche Erwartungen. Das Institut für Wirtschaft und Gesellschaft (IWG BONN) hat im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) die vorliegenden Rechnungen überprüft und eigene Berechungen angestellt. Fazit: Die Renditen tendieren gegen Null.
Demnach werden ledige Männer der Geburtsjahrgänge ab 1980 bei der gesetzlichen Rente mit hoher Wahrscheinlichkeit reale Verluste erleiden. Vergleichbare Untersuchungen der BfA, des Sozialbeirats, des Sachverständigenrates und des Mannheimer MEA-Instituts ergeben zwar von Versichertenjahrgang zu Versichertenjahrgang sinkende Renditen, diese bleiben aber immer - nominal wie real - positiv. Dabei werden aber sehr optimistische amtliche Erwartungen zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zugrunde gelegt. Zudem werden die langfristigen Folgen des demografischen Wandels teilweise ausgeblendet.
Diese optimistischen Annahmen der anderen Studien wurden deshalb in der DIA-Untersuchung um ein mittleres (realistisches) und unteres Szenario (Fortsetzung der Tendenzen der letzten zehn Jahre) ergänzt. Selbst im mittleren Szenario müssen (ledige) Männer ab dem Geburtsjahrgang 2000 mit realen Verlusten rechnen. In der oberen Entwicklungsvariante gehen die realen Renditen der Frauen von heute 2,4 Prozent (für den Geburtsjahrgang 1940) bis zum Geburtsjahrgang 2040 auf etwa 1,1 Prozent zurück, die der Männer von heute 1,6 Prozent auf 0,5 Prozent. Im ungünstigsten Fall erreichen die 2040 geborenen Frauen nur noch reale Renditen von 0,5 Prozent, während Männer der Jahrgänge ab 1980 negative Renditen von bis zu -0,2 Prozent hinnehmen müssen. Das heißt: Sie erhielten nicht einmal den vollen Kaufkraftwert ihrer Beiträge als Rente zurück. Aus Gründen der Vergleichbarkeit wurde den Berechnungen der Standardrentner (Durchschnittsverdiener mit 45 Beitragsjahren) zugrunde gelegt. Dieser kommt in der Realität zwar eher selten vor (West: 38 Prozent der Rentner und drei Prozent der Rentnerinnen), erlaubt aber durchaus Rückschlüsse auf die Renditen anderer Fälle.
„Fasst man die ersten Ergebnisse aus der Umsetzung der Koalitionsvereinbarung zusammen, so wird sich die Situation der gesetzlich Rentenversicherten in Deutschland in den kommenden Jahren nicht verbessern“, meint Michael Turgut, Vorstand der IFF AG aus Hof. Zwar gehen die Koalitionsparteien davon aus, dass die gesetzliche Rentenversicherung weiterhin die wichtigste Säule der Altersversorgung darstellt.
Darüber hinaus sei aber auch nach Meinung führender Politiker die betriebliche und private Altersvorsorge unerlässlich. Aktuelle Pressemitteilungen, die die gesetzliche Rente bereits auf das Sozalhilfeniveau sinken sehen, unterstreichen diese Auffassung.
Genau hier bestehen aber noch große Defizite, wie der Hofer Finanzspezialist Michael Turgut meint: „Die zusätzliche Altersvorsorge muss künftig einen höheren Stellenwert erhalten, um den im Berufsleben erreichten Lebensstandard auch im Alter aufrecht erhalten zu können. Hierfür steht ein umfangreiches Instrumentarium mit steuerlichen Elementen und Zulagen zur Verfügung. Darüber hinaus gibt es eine Fülle von interessanten Vorsorgemöglichkeiten im Bereich der privaten Altersabsicherung.“
Voraussetzung einer klugen Vermögensplanung ist es, sich entsprechend der Lebenssituation über Risikobereitschaft und Renditeziel klar zu werden. Dabei zeigt es sich, dass viele Anleger zu selten einen Blick in ihr Anlagedepot werfen und deshalb mögliche Schieflagen zu spät erkennen.
„Schnell entsteht so ein Klumpenrisiko“, meint Michael Turgut. Denn gerade Privatanleger neigen dazu, sich vor allem heimische Titel ins Depot zu holen, wenn dann auch das Börsenbarometer DAX um rund 20 Prozent zulegt und gleichzeitig andere Märkte, wie der Amerikanische, auf der Stelle treten, verstärkt die gute Performance das Übergewicht deutscher Werte.
„Dies ist aber mittel- bis langfristig die falsch Strategie“, meint Michael Turgut . Fakt ist: Die Deutschen überdenken den Kauf eines neuen Autos durchschnittlich 37 Stunden. Nur die Hälfte der Zeit ist ihnen das Hinterfragen der finanziellen Absicherung wert. Dies jedenfalls ergab eine Studie des Marktforschungsinstitutes TNS Infratest. Doch für das neue Auto wie für das private Vermögen gilt: Beides muss regelmäßig gecheckt und gepflegt werden.
„Viele Privatanleger sind in Anbetracht der Komplexität des internationalen Kapitalmarktes jedoch überfordert, haben weder die nötige Zeit noch das nötige Kapital, um eine zielgerichtete Vermögensplanung zu gewährleisten“, meint der Finanz-Spezialist Michael Turgut .
Und so ist auch die Regierung der Ansicht, dass viele Bürger noch nicht ausreichend für den Lebensabend vorsorgen. Dies jedenfalls lässt sich aus den derzeitigen Gesprächen entnehmen, wonach im Jahre 2007 geprüft werden soll, welchen Verbreitungsgrad die betriebliche und private Altersvorsorge eigentlich erreicht hat und wie die weitere Entwicklung des Ausbaus einzuschätzen ist.
Ein Damoklesschwert schwebt dabei im Raum: „Wenn es sich zeigt, dass durch die Förderung mit den bisherigen Instrumenten keine ausreichende Verbreitung einer privaten und betrieblichen Altervorsorge gewährleistet ist, könnte die Bundesregierung zu gesetzlichen Regelungen greifen“, meint Turgut. Gemeint ist damit, die unter Fachleuten diskutierte Thematik zum Thema Opting-Out – wonach die Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland ggf. ab 2007 verpflichtet werden sollen, neben der gesetzlichen Rente verpflichtende weitere Vorsorgeleistungen tätigen zu müssen.
Für Michael Turgut wäre diese Situation der Schritt in die falsche Richtung, denn gesetzliche Restriktionen hätten auch in der Vergangenheit noch nie dazu geführt, dass auch wirklich die vernünftigste Vorsorgeform gewählt wird. Dies zeige sich auch in anderen Bereichen.
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