Mode

Unterwäsche


Was sagt Ihre Unterwäsche?

Unterwäsche heißt so, weil sie unter der Wäsche getragen wird. Manchmal jedenfalls. Doch gerade wenn sommerliche Hormone einschießen, die Sonne herunterknallt und alle Leugner der globalen Erwärmung ins schwitzende Gesicht lacht, wird aus Unterwäsche gern mal Überwäsche. Da rutschen quasi von allein die Hosen runter und offenbaren den nicht immer so ansprechenden Blick auf das, was Frau und Mann da drunter tragen. Und weil die berühmten Arschgeweihe trendtechnisch einfach mal eben vorbei sind (aufgrund der Kosten von Laserbehandlungen allerdings noch immer so manche Rückenpartie verzieren) werden die herauslugenden String-Tangas, Slips oder Shorts zu wahren Blickfängern. Zugegeben – nicht immer will man wissen, was da wer drunter trägt. Doch schließlich könnte man ja auch einfach wegkucken. Richtig, tut man aber nicht. Denn: Unterwäsche ist doch textiler Ausdruck des letzten Geheimnisses. Ein Modeschlüsselloch quasi. Verrät doch gerade die Unterwäsche – unzähligen mehr oder weniger fragwürdigen Studien zufolge - jede Menge über Charakter, sexuelle Präferenzen oder womöglich auch über soziale Fähigkeiten einer Person. Ach tut sie das? Was heißt das schon, wenn die nette alleinstehende Nachbarin um die fünfzig einen String – Tanga trägt? Wenn der Verkäufer im Fahrradladen Boxer Shorts bevorzugt oder wenn der Bankangestellte Slips zu seiner Lieblingsunterwäsche gekürt hat?

Viel interessanter ist doch die Frage, woher und warum man das heutzutage weiß! Es scheint fast so, als wäre die Unterwäsche zu einer Art Visitenkarte geworden, die nur mal eben reinzufällig sich abzeichnet, herauskuckt oder durchleuchtet. Es gehört offenbar zum guten Ton, aller Welt zu offenbaren, was man – äh – drunter trägt. Auch wenn man dabei nicht gerade wie ein Model für Tommy Hilfiger Unterwäsche aussieht. Was will mir die Nachbarin mit der weißen Leinensommerhose sagen, die so transparent ist wie Frischhaltefolie und deutlich den Blick auf den String Tanga freigibt, der sich eben nicht in der Hose abzeichnet, wie der Slip des Bankkaufmanns, der mal wieder körperbetont mit zu eng verwechselt hat. Und Jeans trägt man nun mal neuerdings unter zumindest dem Waistband der Boxershort. Warum das so ist? Ganz einfach: Weil Unterwäsche Mode ist und eben nicht mehr persönliches Geheimnis. Und also wird offen gelegt, was in der Generation Feinripp noch tunlichst versteckt wurde. Und genauso wie die Goldrolex einst ‚Mein Besitzer ist reich’ brüllte, spricht heute die Unterwäsche Bände. So umweht String Tangas ganz unaufdringlich doch der Hauch feminier Erotik, Boxershorts der Duft jugendlicher Lässigkeit und Slips … äh … na ja Slips … Slips stehen für Pragmatismus und Aufgeräumtheit … oder so ähnlich.
Zeige mir Deine Unterwäsche und ich sage Dir, wer Du bist. Falsch! In den meisten Fällen sagt demonstrativ dargebotene Unterwäsche, die auf deutschen Strassen überdeutlich ihre soziologischen Codes aussendet, doch eher was wer sein will. Und hey, das muss man ehrlich doch nicht immer wissen.

Kontaktperson : Denis Melloni






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