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West und Ost – Serverland?



Vor mehr als zwanzig Jahren begann der Ostblock politisch, aber auch wirtschaftlich zusammenzubrechen - mit ihm auch Technologien, welche im Osten ohnedies in einer Sackgasse geendet hätten. Ausgenommen davon wäre allerdings die Mikroelektronik geblieben, denn auch die Länder des Warschauer Paktes vollbrachten erstaunliche Entwicklungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik. Die Keimzelle der Mikroelektronik in Ostdeutschland, der DDR, war das Ende der sechziger Jahre gegründete VEB Robotron Elektronik Dresden. In der politischen Sprache der SED war dies ein Volks eigener Betrieb. Die DDR-Bürger selbst spürten davon allerdings nicht viel, außer sie konnten in einer der wenigen Tageszeitungen hin und wieder Neuigkeiten über diesen Betrieb lesen.
Dieses in Dresden angesiedelte Unternehmen vollbrachte große Leistungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik. Der R300 von Robotron war ein volltransistorierter Großrechner, von dem zwischen 1968 und 1971 dreihundertfünfzig Stück produziert worden waren. Bei einer Taktfrequenz von gerade einmal 0,1 Mhz erreichte dieser Großrechner eine Rechnleistung von 3000 bis 5000 Rechenoperationen in der Sekunde. Die Ferritkernspeicher als RAM hatten eine Kapazität von 10 000 bis 40 000 Zeichen. Harddisks bzw. Festplatte kannte man zu dieser Zeit noch nicht, daher hatte dieser Rechner Magnettrommelspeicher für die interne Datenspeicherung. Mittels Lochkartenlesegerät versorgte man die Rechenanlage mit Daten. In weiterer Folge gab es auch das sogenannte Einheitssystem ESER, in welchem die mikroelektronischen Bemühungen aller kommunistischen Warschauer-Pakt Staaten zusammengefasst waren. Die UdSSR gab ESER die höchste Priorität zur Schaffung einer modernen Informations-Verarbeitungsindustrie und IT-Anwendung. Unter klarer Dominanz der UdSSR wurden ESER-Entwicklungen vor allem in der UdSSR selbst, in der DDR und Bulgarien vorangetrieben. Rund 20 000 Wissenschaftler und Spezialisten arbeiteten an der Entwicklung hoch komplexer Rechensystemen. Desweiteren kamen mehr als 300 000 Menschen in unmittelbare Beschäftigung für das Großprojekt ESER. Selbst die STASI setzte in ihrem umfangreichen Machtapparat Großrechner ein, um die angefallene Datenflut nachrichendienstlicher Art erfassen und auswerten zu können. Noch heute lagern Tonnen an Magnetbändern in den Archiven der Birtler-Behörde und harren ihrer Entdeckung. Vieles von einst ist nämlich derart gut verschlüsselt auf Magnet-Band gespeichert, dass es wohl noch viele Jahre dauern wird diese Daten jemals entschlüsseln zu können. Obwohl man von den Möglichkeiten eines Vserver noch Ende der achtziger Jahre weit entfernt war, muss dennoch neidlos anerkannt werden, dass man auch im Osten Großartiges zu leisten imstande gewesen war auf dem Gebiet der Mikroelektronik.

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